1716-1999

1716: Nach der Chronik siedeln nach dem 30-jährigen Krieg die ersten Juden in Emmendingen. Fünf vertriebene Familien aus dem schweizerischen Thurgau erhalten einen Schutzbrief.

1727: Der jüdische Händler Moses Gydon kauft ein Haus in der Kirchstr. 11, in dem ein Betsaal eingerichtet wird.

1763: Das Haus in der Kirchstr. 11 wird Synagoge.

1823: Für die wachsende jüdische Gemeinde wird das Haus bald zu klein. Nach Verhandlungen mit der Stadtgemeinde Emmendingen und dem Oberrat der Israeliten Badens wird eine neue Synagoge direkt vor dem Haus Kirchstr. 11 gebaut. Die Alte Synagoge dient nun als Gemeindehaus mit Kantorenwohnung, Gemeindesaal und Unterrichtsräumen.

1835: In einem Nebengebäude wird die Miqwe – ein Ritualbad – gebaut.

1880: In Emmendingen leben über 400 Juden, das macht 12,9 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

1923: Die Synagoge wird umgebaut und vergrößert.

1933: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme flüchten auch Emmendinger Juden – trotz des bis dahin so positiven Zusammenlebens mit den christlichen Nachbarn ins Ausland, da sich die Verhältnisse zunehmend verschlechtern und sie um ihre persönliche Sicherheit und ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen.

1938: Am 10. November wird in Emmendingen die Synagoge am Schlossplatz verwüstet und anschließend gesprengt. Die “Alte Synagoge” in der Kirchstr. 11 aber als Gebäude erhalten.

1939: Die Sprengung wird der Jüdischen Gemeinde mit RM 4.179,45 in Rechnung gestellt. Da die Jüdische Gemeinde diesen Betrag nicht bezahlen kann, schreibt der Synagogenrat am 7.7.1939 an den Bürgermeister der Stadt Emmendingen: “…sind wir augenblicklich nicht in der Lage, den angeforderten Betrag zu zahlen, wären aber bereit, den Platz, auf dem die Synagoge stand, als Gegenleistung der Stadt Emmendingen zu überlassen”. Die Stadt nimmt dieses Angebot an, das Gemeindehaus Kirchstr. 11 wird ebenfalls enteignet.

1940: Im Oktober werden diejenigen Emmendinger Juden, denen eine Flucht nicht gelungen war, in das südfranzösische KZ Gurs deportiert, von dort ein Jahr später nach Auschwitz. Nur ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde überlebt Auschwitz und kehrt nach Emmendingen zurück, wo er an den Folgen der KZ-Haft als junger Mann stirbt.

1941: Die “Alte Synagoge” in der Kirchstr. 11 wird von der Stadt Emmendingen in ein Mehrfamilienhaus umgebaut.

1945: In Freiburg/Br. wird die Israelitische Landesgemeinde Südbaden gegründet, die gleichzeitig als Sitz des Oberrats der Israeliten Südbadens (französische Besatzungszone) arbeitet. Das enteignete Haus Kirchstr. 11 wird der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden durch die französische Besatzungsmacht zurückgegeben.

1954: Die Israelitische Landesgemeinde Südbaden verkauft das Haus wiederum der Stadt Emmendingen zum Preis von 14.000,- , da nicht damit gerechnet werden kann, dass jemals wieder Juden in Emmendingen ansässig sein werden.

1995: Der Zuzug jüdischer Emigranten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auch nach Emmendingen und Umgebung macht es im Februar notwendig, eine neue Jüdische Gemeinde Emmendingen zu gründen. Die Jüdische Gemeinde betreute zu dieser Zeit 74 Personen. Da eine neue Synagoge oder ein Betsaal nicht vorhanden waren, mietete die Jüdische Gemeinde monatlich einmal einen Saal von der Stadt Emmendingen, in dem ein Shabbat-Gottesdienst gefeiert wird.

1997: Nach positiven Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Emmendingen hat der Gemeinderat im Frühjahr beschlossen, der Jüdischen Gemeinde Emmendingen das Haus der “Alten Synagoge” zu überlassen, vorausgesetzt, die Finanzierung des Umbaus in ein Gemeindezentrum ist gewährleistet. Die berechneten Umbau und Einrichtungskosten beziffern sich auf ca. Euro 500.000,-.

1998: zieht das Gemeindebüro für kurze Zeit in das Obergeschoss des Jüdischen Museums Emmendingen (ehemaliges Mikwengebäude) um.

1999: Im Februar wurde das Gebäude Kirchstr. 11 der Jüdischen Gemeinde durch eine Festakt von Oberbürgermeister Ulrich Niemann zurückerstattet. Seitdem befinden sich in den Räumen die Büros der Jüdischen Gemeinde. Gleichzeitig konnte in der Landvogtei 11 Räume für eine Synagoge mit Gemeindesaal und koscheren Küchen als Übergangslösung – bis zum Umbau der Synagoge – gemietet werden.
Die Integrationsbemühungen der Jüdischen Gemeinde Emmendingen wurden mit der Überreichung des Karl – Kübel – Preis für “Familieninitiativen in religiösen Gemeinden” im September in der Frankfurter Paulskirche gewürdigt.